Systemische Ausgleichsprinzipien und ökonomischer Schuldbegriff


An anderer Stelle (vgl. den Beitrag „Exakter Ausgleich trennt: Eine Geschichte vom Bazar in Tunis“) habe ich mich bereits mit ein paar wenigen Facetten der ökonomischen Umdeutung von „Schuld“ in „Schulden“ beschäftigt. Heute biete ich eine Sammlung systemischer Ausgleichsprinzipien und kommentiere diese dort in aller Kürze, wo es mir für das Verständis erforderlich erscheint:

  • Der Ausgleich im Guten sollte ein vermehrter sein, sofern die Bindung im System aufrecht erhalten werden soll („Wenn Dir jemand etwas Gutes tut so tue ihm\ihr Gutes zurück, und zwar ein bisschen mehr“).
  • Der Ausgleich im Übel sollte ein verminderter sein, sofern die Bindung im System aufrecht erhalten werden soll („Wenn Dir jemand ein Übel tut so tue ihm\ihr ein Übel zurück, und zwar ein bisschen weniger“).
  • Exakter Ausgleich trennt (Bei Genauigkeit von Kosten und Umfang wirkt ein Ausgleich als Bezahlung und damit als Abgrenzung).
  • Die\Der SchuldnerIn hat ein Recht auf Mahnung (Ohne Mahnung etabliert sich Ungleichheit).
  • Die\Der GläubigerIn wird „schuldig“ an der\am SchuldnerIn, wenn er dieser\diesem die Mahnung verweigert.
  • Der eigentliche Ausgleich liegt in der Anerkennung der Ausgleichsverpflichtung (Die Ausgleichsleistung allein wirkt bloß als Bezahlung).
  • Die Ausgleichsleistung wird nur wirksam als Ausdruck dieser Anerkennung (Die Ausgleichsleistung unterstreicht die Ernsthaftigkeit der Anerkennung der Ausgleichsverpflichtung).
  • Die Verweigerung der Ausgleichsleistung hebt die Wirkung der Anerkennung der Ausgleichsverpflichtung auf.
  • Der Ausgleich hat in der Währung des Gläubigers\der Gläubigerin zu erfolgen (Die Bedeutung der „Ökonomie der Aufmerksamkeit“ ist in sämtlichen Kulturen relevant).
  • Die Schuldnerin\Der Schuldner trägt das „Wechselkursrisiko“ sowie die Inflationsgefahr (Die\Der SchuldnerIn schuldet „zeitigen“ Ausgleich).

Weiters kann ich aus meiner Praxis der Konfliktbearbeitung berichten, dass eine positive „Eskalation“ der Anerkennung der Ausgleichsverpflichtungen oftmals die Basis für den Beginn des Arbeitens in Richtung Lösungenorientierung ist, ja diese erst ermöglicht.

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Eine Antwort zu “Systemische Ausgleichsprinzipien und ökonomischer Schuldbegriff

  1. Ist mir kürzlich untergekommen….
    „An Attempt to Revive the Lost Art of Apology“

    http://www.nytimes.com/2010/01/30/your-money/30shortcuts.html?pagewanted=all

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