Globale Ethik und Verantwortungsethik


Vielerorts – auch und insbesondere in Unternehmen und Führungskräftezirkeln bzw. -seminaren – werden in letzter Zeit (wieder) sogenannte „Wertediskussionen“ geführt. Dabei drängt sich mir der Verdacht auf, dass diese die Funktion haben könnten, die Aufmerksamkeit von einer gebotenen Ethik des Handelns ab- und in Richtung einer weitgehend unverbindlichen abstrakten „Proklamationsethik“ umzulenken. Manchmal scheint die Werte-Thematik auch vom findigen Unternehmensmarketing utilisiert zu werden, um – neben bzw. anstelle von Kriterien wie etwa Design, Service, usw. – (zusätzliche) „werthaltige“ attraktive Unterschiede zu MitbewerberInnen zu suggerieren, allerdings ohne diese zu kreieren.

Damit es aufgrund inflationären Gebrauchs nicht zu einer Entwertung ethischer Fragestellungen kommt und in der Folge Fragen nach Werten zunehmend hämisch mit der Bekanntgabe der Details von Blutbilduntersuchungen (Triglyzeride, Blutzucker, Blutgerinnung, etc.) beantwortet werden, möchte ich heute Aspekte einer globalen Ethik und solche einer Verantwortungsethik zur Diskussion stellen.

Zu einer globalen Ethik aus einer (öko-)systemischen Perspektive möchte ich anmerken, dass die systemisch abgeleiteten ethischen Prinzipien in den Regeln gründen, die die Zugehörigkeit zu den jeweils übergeordneten natürlichen und sozialen Systemen definieren. Systemische Demut vor der Natur und den Grenzen, welche diese uns Menschen setzt, ist mittlerweile zu einer Überlebensfrage für die Menschheit insgesamt geworden (vgl. dazu den Beitrag „Ökosystemische Betrachtungen zum Jahreswechsel 2009\10“)

Zu einer Verantwortungsethik im Sinne von Max Weber ist auszuführen, dass damit eine Ethik des Handelns gemeint ist, die bei Entscheidungen vorhersehbare Folgekosten wie mögliche Nebeneffekte berücksichtigt und bereit ist, die Verantwortung für die Konsequenzen des eigenen Handelns zu tragen.

Globale Ethik und Verantwortungsethik lassen sich als zwei Seiten ein und derselben Medaille begreifen, wesentlich ist jedoch, dass ethische Prinzipien\Werte in beispielhafte „Verhaltenskataloge“ transferiert und von aufmerksam beobachteten Vorbildern konsequent gelebt werden, wobei das Befolgen des gebotenen Verhaltens zwecks Impulssetzung für Lernerfolge hilfreicherweise mit belohnenden (bzw. zumindest nicht-bestrafenden) Konsequenzen, das Verstoßen dagegen schlüssigerweise mit „bestrafenden“ (bzw. zumindest nicht-belohnenden) Folgen zu belegen ist. Dies gilt „im Großen“ (etwa Normeneinhaltung bzw. -verstoß in Hinblick auf umweltrechtliche Materien) gleichermaßen wie „im Kleinen“ (zum Beispiel Regelbefolgung bzw. -nichtbefolgung in Hinblick auf Unternehmensleitbilder). Damit aus Umwelt keine lebensbedrohlichen Kontexte und aus Leitbildern keine „Leidbilder“ werden…

Zu guter Letzt ist auf den Kategorischen Imperativ Immanuel Kants hinzuweisen, speziell auf die Formel „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde“. Das ist zumindest ein brauchbarer Anfang…

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