Ressourcenorientierte Bewältigungsfragen im Coaching


Neben Fragen nach Ausnahmen (vgl. den Blogbeitrag „Fragen nach Ausnahmen oder: Impulse, die den Fokus der KundInnen-Aufmerksamkeit auf den Lösungskontext richten mögen“) bezeichne ich ressourcenorientierte Bewältigungsfragen sehr gerne als potenzielle „Königswege“ im Coaching. Diese sollen die KundInnensysteme dabei unterstützen, ihre vorhandenen Ressourcen und Kompetenzen zu erschließen, damit sie in der Folge über sie verfügen und diese hilfreich nutzen können.

Im Rahmen eines Coachings – beim „Wiener T-A-Z-A-Modell” nach Klärung von Themen\Thema, Anliegen (“positiver Dreh”), Ziel und Auftrag – bringen solche Fragen wertschätzende Aufmerksamkeit zum Ausdruck und werden von vielen KundInnen als sehr stärkend erlebt. Ressourcenfokussierung empfiehlt sich besonders dann, wenn Kundschaften sich klagend zeigen und sich etwa als Opfer einer Situation, „Spielball anderer Mächte“, usw. erleben. Häufig sehen sich „Klagende“ nicht ohne weiteres als Teil der Lösung und meinen oft, diese bestünde darin, dass andere Menschen sich ändern.

Diesfalls sind lösungsorientierte Fragestellungen meiner Erfahrung nach oft wenig hilfreich und werden häufig mit „ich weiß nicht“, „keine Ahnung“, „da kann ich mir gar nichts vorstellen“, etc. beantwortet. Günstiger kann es sein, zunächst ressourcenorientierte Bewältigungsfragen zu stellen – und erst später in Richtung Lösungsorientierung zu intervenieren, nämlich dann, wenn eine Kundin\ein Kunde sich ihre\seine Ressourcen und Kompetenzen (wieder) verfügbar gemacht hat und in der Folge oftmals die „Problemopfer“-Perspektive in jene der „LösungstäterInnenschaft“ umkonstruiert. Der Weg vom Problem zu passenden Lösungen kann also demnach einen „Umweg” über die Ressourcen erforderlich machen – ein Umweg, der mit Sicherheit die Ortskenntnis erhöht.

Beispiele für ressourcenorientierte Bewältigungsfragen:

„Welche Gedanken haben Sie sich denn schon in Richtung Lösung gemacht? (Und welche noch?)“

„Was haben Sie schon ausprobiert? (Und was hat am ehesten etwas gebracht?)“

„Was haben Sie bisher schon in Richtung Verbesserung unternommen?“

„Was haben Sie gemacht, dass es um Ihre Abteilung nicht noch schlechter bestellt ist?“

„Wie schaffen Sie es, unter diesen Rahmenbedingungen überhaupt so professionelle Arbeit zu leisten?“

„Welche Kompetenzen nutzen Sie in genau solchen schwierigen Situationen üblicherweise?“

„Welche Ressourcen stehen Ihnen bei der Bewältigung solcher beruflicher Anforderungen da besonders zur Verfügung?“

Wichtig ist es, dass die\der Coach diese Fragen offen stellt, weil geschlossene Fragestellungen unter Umständen nicht Wertschätzung zum Ausdruck bringen, sondern vielmehr die Gefahr besteht, dass diese Gefühle der Inkompetenz bei der Kundschaft initiieren\zur Folge haben können. Ein Beispiel gefällig? Welche Wirkung haben die nachstehenden Fragestellungen auf Sie? Entscheiden Sie danach, welche davon „besser” bei Ihnen ankommt:

„Welche Gedanken haben Sie sich denn schon in Richtung Lösung gemacht?“

„Haben Sie sich schon Gedanken in Richtung Lösung gemacht?“

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Eine Antwort zu “Ressourcenorientierte Bewältigungsfragen im Coaching

  1. Hi Tom,

    komme gerade zurück von einem 2-Tages zum Aufsetzen einer Arbeitsgruppe (international) zum Thema „Best Practise“ in XY (was, lass ich absichtlich weg, bringt uns nicht weiter, denke ich!).

    Da ging es dann natürlich erste einmal auch um die Frage – was ist BEST PRACTISE ??

    Und beim Nachdenken über eine halbwegs „fleischige“, nicht völlig abstrakte Antwort fiel mir dann unsere Ressourcenortierung ein:

    Wann hat etwas funktioniert? Und warum? Und wo? Und mit wem? Und wie? Und was davon nehme ich jetzt davon her, wie kann ich es für diesem Fall vielleicht weiterentwickeln?

    Was also ist auf den heutigen Kontext, die heutige Situation anwendbar, das aktuelle Problem übertragbar – was ist hier BEST PRACTISE?

    Liebe Grüße
    Ilse

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