Vom „Reiz des Gegenteils“ im Coaching


Neulich habe ich eine kleine telefonische Umfrage durchgeführt und mir bekannte PersonalistInnen (gesamt 20) gefragt, wie sie ihrer Erfahrung nach den Nutzen, den KundInnen aus Coachings ziehen können, in aller Kürze beschreiben würden. Eine Mehrheit der Befragten hat geantwortet, dass Coaching-KundInnen die Möglichkeit geboten bekommen, mit einer\einem neutralen und verschwiegenen Expertin\Experten für ziel- und lösungsorientierte sowie strukturierte Gesprächsführung zu Themen im beruflichen Kontext „auf Augenhöhe“ reflektieren zu können.

Die meisten Befragten haben weiters angegeben, dass im Rahmen eines Coachinggesprächs zusätzliche Informationen hervorgebracht und durch die ziel- und lösungsorientierte Gesprächsgestaltung in der Folge veränderte Sichtweisen entwickelt werden können, die der Kundschaft schließlich auch alternative Verhaltensoptionen eröffnen.

Folgt man hinsichtlich des Informationsbegriffs der Definition von Gregory Bateson („Information ist das Herstellen von Unterschieden.“), so profitieren Coaching-KundInnen aus Sicht der befragten PersonalistInnen von der Unterschiedsanregung. Die Wendung vom „Reiz des Gegenteils“ mag zugegebenermaßen nicht ganz korrekt sein, das nehme ich gerne „auf meine Kappe“ (in diesem Zusammenhang sei auf folgenden Satz hingewiesen, den ich irgendwann einmal „aufgeschnappt” habe: „Das Gegenteil ist nicht das Gegenteil, ganz im Gegenteil. Ein Unterschied, der einen Unterschied macht, kann niemals das Gegenteil sein.”). Ich meine mit „Reiz des Gegenteils”, dass Coaches, die man mit Gunther Schmidt auch als „RealitätenkellnerInnen“ etikettieren könnte – ich bezeichne sie auch gerne als „AnwältInnen der KundInnen-Ambivalenzen“ – darauf achten sollten, dass Coachinggespräche „angemessen anders“ sind und die Eignung aufweisen, Unterschiede zu „machen“\zu ermöglichen.

Ein paar Beispiele zur Illustration des Gemeinten (zunächst das Verhalten der Kundschaft – dann das Verhalten der\des Coach\es im Sinne von >Reiz des Gegenteils<):

  • Kundschaft führt ein Poblem in hoher Sprechgeschwindigkeit aus – Coach unterbricht mit ruhiger Stimme und bittet um eine „Headline“ für das Thema.
  • Kundin\Kunde spricht davon, keine Wertschätzung zu brauchen, weil sie\er „ja nur meinen Job tue“ – Coach bringt seine\ihre Wertschätzung für die wahrgenommenen Ressourcen und Kompetenzen der Kundin\des Kunden umso mehr zum Ausdruck.
  • Kundschaft redet davon, immer ganz viele Ideen zu haben – Coach nimmt dies als Hinweis für einen möglichen Strukturierungsauftrag und macht der Kundschaft ein diesbezügliches Angebot.
  • Kunde\Kundin erwähnt, dass es zu einem bestimmten Weg keinerlei Alternativen gibt – Coach nimmt dies als Fingerzeig für einen potenziellen Auftrag zur gemeinsamen Arbeit an weiteren Optionen und bietet dies dem Kunden\der Kundin an.
  • Kundschaft setzt sich im Beratungsraum des Coaches\der Coach ohne zu zögern auf einen Stuhl ihrer Wahl und fragt den\die Coach – während sie schon die bereitstehende Wasserkaraffe in die Hand nimmt – ob sie ihm\ihr eingießen darf. Die\Der Coach sieht dies als Hinweis, im Coaching besonders auf ihre\seine Aufgabe der Führung des Gesprächs zu achten, um für die Kundschaft hilfreich sein zu können.

Nur so als Idee: Was wäre, wenn Coaches hin und wieder mit dem „Reiz des Gegenteils“ experimentierten und auf die Auswirkungen achten würden?

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Eine Antwort zu “Vom „Reiz des Gegenteils“ im Coaching

  1. Jetzt ist mir dieses Bild dazu eingefallen: ich lege unter ein leeres, weisses Blatt eine dunkelgrüne Unterlage, dann sehe ich eine Fläche auf einer anderern Fläche, usw., ich sehe Gemeinsamkeiten, Unterschiede, ich sehe das Blatt im Zusammenhang.

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