Es ist nicht immer kompetent, kompetent zu wirken…


Sie wissen ja: Manchmal ist es nicht so entscheidend, ob man eine Kompetenz hat, viel entscheidender kann es sein, ob andere glauben, dass man über sie verfügt. So weit so gut: Das könnte eine brauchbare Erklärung für so manchen Vorstand oder so manche Geschäftsführerin sein. Doch wie steht es um die Kompetenz der Inkompetenz?

Nun, ich möchte an dieser Stelle ein paar Gelegenheiten anführen, wo das Zeigen von Kompetenz durchaus vorstellbar als inkompetent angesehen\erlebt werden könnte – wie immer kommt es auf die Sichtweise an:

  • Sich kompetent zu zeigen in einer Situation, die in niemandes Kompetenzbereich fällt, könnte dazu führen, die Verantwortung für die Auswirkungen tragen zu müssen, so nach dem Motto: „Die Verantwortung trägt immer die\der Schnellste“.
  • Kompetent zu wirken in einer nahezu aussichtslosen Lage könnte dazu anregen, mit deren lebensgefährlicher Bewältigung betraut zu werden.
  • Offensichtlich im Besitz vieler Kompetenzen zu sein könnte unter Umständen dazu animieren, zum Ziel zahlreicher Antipathien erwählt zu werden.
  • Kompetent zu erscheinen könnte ein Karrierehemmnis sein, weil sich a) Führungskräfte bedroht fühlen und deshalb für den Nichtaufstieg sorgen könnten bzw. b) jemand aufgrund ihrer\seiner Kompetenz von ihrer\seiner Führungskraft unbedingt dauerhaft in der Position behalten werden möchte, weil diese\r von der Kompetenz des Mitarbeiters\der Mitarbeiterin enorm profitiert.
  • Besonders kompetent zu erscheinen könnte dazu führen, von Menschen mit eher geringem Selbstwertgefühl gemieden zu werden.
  • Kompetent zu wirken könnte zur Folge haben, auch bei Bedarf ohne erforderliche Hilfe bzw. Unterstützung zu bleiben.
  • Kompetenz könnte zu Sorgen, Ängsten und Pessimismus führen – Inkompetenz würde da manchmal „einen Riegel vorschieben” können.
  • …und merke zum Thema „Lernerfolge“: „Kompetenz zieht Arbeit an – noch mehr Kompetenz zieht noch mehr Arbeit an.“

Besonders kompetent könnte es also sein, je nach Bedarf in der Lage zu sein, gemäß den zu erwartenden Auswirkungen entscheiden zu können, sich kompetent oder inkompetent zu zeigen…

Übrigens: Zum Begriff der „Inkompetenzkompensationskompetenz“ sei an dieser Stelle auf den Philosophen Odo Marquard verwiesen.

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2 Antworten zu “Es ist nicht immer kompetent, kompetent zu wirken…

  1. Kommentar 2:
    In einem „Beipackzettel“ könnte angeführt sein: Vorsicht! Kompetenzübernahme – unerwünschte Nebenwirkungen:
    – obwohl sie dafür keine Wirkmächtigkeit haben, werden sie für die Ergebnisse die Verantwortung und die Folgen persönlich tragen!
    Würde Kompetenzübernahme als „Soziotherapeutikum “ ohne „SozioPharmakaLobbying “ noch die Zulassung schaffen?

  2. Lieber Tom,
    wenn ich dich richtig verstehe , bedarf es großer Kompetenz, sich in gewissen Führungsituation zu entscheiden sich als nicht kompetent zu zeigen. Ich finde jedoch in deinen Beispielen kein Beispiel direkter und/oder gelebter Inkompetenz.
    Angenommen es soll Führungspersonen in schwierigen Situationen Gelassenheit vermittelt werden. Welche Bereiche können wir Ihnen als wirkmächtige Bereiche der Stärke in Schwäche benennen? Ich sehe hier komme ich wieder zu deinen, im Artikel genannten Beispielen. Gratuliere!

    Josef

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