Zirkuläre Fragen im Coaching


Zirkuläre Fragestellungen erweisen sich häufig als hochwirksame (und etwa bei der Arbeit mit Systembrett als unentbehrliche) systemische Interventionen – sowohl im Einzel- als auch im Teamcoaching. Zirkuläres Fragen möchte ich an dieser Stelle definieren als „spezifisches Frageverhalten, welches nie direkt ist, sondern eine Außenperspektive erfragt, die dazu geeignet sein kann, neue Sichtweisen in einen Beziehungskontext einzuführen“. Zirkuläre Fragen können unter anderem dazu dienlich sein, Informationen über den Kommunikationskontext zu sammeln, Ideen für alternative Deutungsmuster und Verhaltensoptionen zu ermöglichen, Perspektivenwechsel anzuregen, herkömmliches Denken in Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen infrage zu stellen, usw.


Triadisches Fragen von Nichtanwesenden im Einzelcoaching

Im Rahmen eines Einzelcoachings – beim „Wiener T-A-Z-A-Modell” nach Klärung von Themen\Thema, Anliegen („positiver Dreh”), Ziel und Auftrag – können zirkuläre Fragen einer Kundschaft durch das Hineinversetzen in Nichtanwesende diverse Perspektivenwechsel, in der Folge neue Möglichkeiten der Beurteilung und daraufhin neue Verhaltensmöglichkeiten eröffnen. Als besonders hilfreich erweist es sich in der Praxis, die Kundin\den Kunden zunächst um das Benennen einer\mehrerer „Ressourcenperson\en“ für das nachfolgende triadische Fragen zu bitten, z. B. „Mit wem tauschen Sie sich in solchen bzw. ähnlichen Situationen gerne aus?“ oder auch „Wer kann denn solche bzw. ähnliche Situationen gut nachvollziehen und hilfreichen Rat geben?“

Beispiele für anschließende zirkuläre Fragen:

„Wenn wir also Ihren Chef fragen würden, was würde er Ihnen zwecks Entspannung der Situation raten?“

„Gesetzt den Fall, wir fragten diesen Mitarbeiter, was würde er sagen, woran er merken würde, dass Sie Ihre Führungskompetenz stärker als bisher wahrnehmen?“

„Was denken Sie würden Ihre Abteilungsleiterkolleginnen über die Beziehung zwischen Ihnen und Ihrem Vorgesetzten sagen?“

„Stellen Sie sich vor, wir fragten diese Kundin, welches Verhalten Ihrerseits für sie eher günstig wäre, was würde sie uns erzählen?“

„Was glauben Sie, würden uns diese beiden Lieferanten sagen, wenn wir sie fragen würden, wie Sie sich verhalten könnten, um einen Beitrag zur Lösung des Konflikts zwischen Außen- und Innendienst zu leisten?“


Zirkuläres Fragen von Virtuellen im Einzelcoaching

Darüber hinaus kann auch das zirkuläre Befragen virtueller „Expertinnen“, „wohlmeinender Fachleute“, „erfahrener Gelehrter“, usw. neue Informationen hervorbringen, die für die Kundschaft von großem Nutzen sein können. Wie wäre es beispielsweise mit folgender Frage: „Angenommen, ein Ihnen wohl gesonnener Experte in solchen Angelegenheiten hätte unserem Gespräch zugehört: Welche Argumente würde er gegen das Gelingen Ihres Plans vorbringen, welche dafür?“


„Mutmaßungen in Gegenwart der Anderen“ – zirkuläre Fragen im Rahmen von Teamcoaching

Selbstverständlich können auch im Rahmen eines Teamcoachings Nichtanwesende und Virtuelle zirkulär befragt werden – das kann durchaus hilfreich sein. Besonders aufschlussreich ist hierbei jedoch das Erfragen von Mutmaßungen in Gegenwart der Anderen. Dabei werden die Teammitglieder angeregt, ihre Vermutungen über Bedürfnisse, Interessen, Meinungen, Ansichten, Vorhaben, Wünsche usw. anderer Teammitglieder in deren Beisein zu äußern. Im wechselseitigen Bezug aufeinander können neue Denkprozesse angeregt werden, können sich alternative Verhaltensweisen eröffnen.

Beispiele:

„Herr Anton, wenn ich Herrn Karl hier fragen würde, was Ihnen das Wichtigste für ein gedeihliches Miteinander im Team ist, was glauben Sie würde ich da von ihm gesagt bekommen?“

„Frau Keller, angenommen ich befragte ihren Kollegen Herrn Berger hier, was er Ihnen als ersten Schritt raten würde, um ihre Themen im wöchentlichen Jours fixe erfolgreich platzieren zu können, was würde er mir antworten?“

„Herr Huber, gesetzt den Fall ich stellte Frau Kremser hier die Frage, welche Lösungsansätze sich in der Vergangenheit so bewährt haben, dass es wert sein könnte, diese auch in Zukunft auszuprobieren, was würde ich da von ihr hören?“

Abschließend ist noch zu erwähnen, dass die Entwicklung der Methode des zirkulären Fragens vor allem der sogenannten „Mailänder Schule“ (prominente VertreterInnen sind Mara Selvini Palazzoli, Luigi Boscolo, Gianfranco Cecchin sowie Giuliana Prata) zugeschrieben wird, die wesentliche Pionierarbeit für die heutigen Ausprägungen der systemischen Familientherapie geleistet hat.

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Eine Antwort zu “Zirkuläre Fragen im Coaching

  1. Heinz Gressenbauer

    Diese Fragetechnik unterstützt auch excellent in Gesprächen mit Beratungskontext, wie ich gerade gestern wieder beobachten konnte. Im konkreten Fall war es die Suche nach geeigneten Mitarbeitern für ein Strategieteam. Mit der Frage: „Wer sollte, wenn wir x fragen, umbedingt im Team dabei sein?“ hatte mein Gegenüber, nach einer entsprechenden Nachdenkpause, eine Antwort für sich gefunden.

    Schön wäre, wenn öfters in Gesprächen passende Fragetechniken verwendet würden. Das könnte bei Sitzungsmarathons viel Zeit sparen…… (den 4.30 Std. Marathon, statt 2.07 Std., durfte /musste ich diese Woche miterleben)

    Start einer Initiative: „Systemische Fragen für effizientere Meetings“?

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