Archiv der Kategorie: Coaching

Coachen ohne Auftrag – „Consulten kannst morgen wieder…“


Ein Gastbeitrag von Dominik Hofer

Eine Situation, die möglicherweise einige kennen: Wenn man sich selbst dabei erwischt oder dabei erwischt wird, „coaching-like“-Ansätze in Situationen zu verwenden, in denen ganz klar kein Auftrag zum Coachen besteht.

„Consulten kannst morgen wieder….“, eine Aussage meines lieben Kollegen Pepi, seines Zeichens Kontrabassist. Erwähnenswert ist dieses Faktum hier vor allem deswegen, um die unterschiedlichen Kontexte auszuweisen und die Unangebrachtheit meines Handelns auszudrücken – und um mich selbst nochmals zu schelten…

Die Situation war die: Aus einer ganz formlosen Vorbesprechung für ein Konzert bei einer Probe weiteten sich die Themen aus und bekamen eine, sagen wir mal, eigene Dynamik, die mir seltsam vertraut vorkam. Woher? Ich steckte gerade mitten im Abschluss meiner systemischen Coachingausbildung. Den Kopf vollgepackt mit tollen neuen Fragetechniken, der Boden meines Denkens noch nicht ganz wieder gefestigt nach dem großen Paradigmenwechsel einer systemischen Haltung, neuen Modellen und dem Feuereifer, mein neu erworbenes Wissen anzuwenden. Und so legte ich los – mit allem was mir mein systemischer Werkzeugkoffer zur Verfügung stellte. Weiterlesen

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Das Frontalhirn nutzen: Eine Anleitung für konstruktives Kritisieren


Ein Gastbeitrag von Michaela Faulhammer

Als ich kürzlich im Rahmen eines Coachings eine Führungskraft gefragt habe, wie sie auf eine sogenannte „Minderleistung“ reagieren würde, war die ganz „einfache“ Antwort wie folgt: „Ich sag´ einfach was nicht passt“. Soweit so gut habe ich mir da gedacht. Gesteuert von Beratungsziel und -auftrag forschte ich weiter nach, in welcher Zeitlichkeit dies denn passieren würde, und bekam dann ein spontanes „Na sofort, weil ich ärgere mich ja über sowas“ zur Antwort.

Wie denn dies dann zur Sprache gebracht werden würde, interessierte mich als nächstes – und da der Kunde mir seine Erfahrung in solchen Gesprächen zusicherte, lud ich ihn ein, dieses Gespräch mit mir zu simulieren. Ich bat die Führungskraft darum, mir kurz das Problem zu schildern (es handelte sich um das Abliefern „minderwertiger“ Reports und die Verweigerung der Nachbesserung derselben).

In der Simulation entspann sich in etwa folgender Dialog: Weiterlesen

Kundschaft und Coach – eine TanzpartnerInnenschaft auf Augenhöhe


Systemisch-lösungsorientiertes Coaching wird manchmal mit dem Bild eines „gemeinsamen Tanzes“ beschrieben, welches ich grundsätzlich auch sehr passend finde. Nachfolgend werde ich einige Gedanken formulieren, die ich zum Bild von „Coaching als TanzpartnerInnenschaft“ habe:


Die Passung

Nun ja, es ist ja schon durchaus als mutig zu bezeichnen, mit dem Bedürfnis zu tanzen alleine bei einem Ball aufzukreuzen oder beim Tanzunterricht in einer Tanzschule vorstellig zu werden. Für manche ist es gleichbedeutend mit dem Eingeständnis, über keine\n passenden PartnerIn zu verfügen, auf eine\n Fremde\n angewiesen zu sein. Wer dann als TanzpartnerIn passt? Selbstverständlich, Eigenschaften wie Größe, Gewicht, Aussehen, Bekleidung, usw. können relevante Auswahlkriterien dafür sein, wer auserkoren bzw. von wem man zum Tanzen ausgewählt wird. Auch einschlägige Bildung – vielleicht noch zur Schau gestellt mit entsprechenden Abzeichen (etwa „Gold“) – und Erfahrung können ausschlaggebend für die Wahl bzw. das Gewählt werden sein. Klar, der erste Eindruck ist wichtig, sonst sagt das Gegenüber gleich „Nein“ oder verschwindet stillschweigend flugs an die Bar.

Was ist jedoch entscheidend, ob das begonnene Tanzen dann Freude macht und belebt oder aber zur lästigen Pflichtübung verkommt und Beklemmungen hervorruft? Neben einem erforderlichen Maß an Vorschussvertrauen geht es wohl um das Vermitteln eines Gefühls von Sicherheit und zugleich Leichtigkeit, um Haltung sowie um kooperatives Verhalten, das ist zumindest meine Vermutung – und auch Erfahrung. Weiterlesen

Systemisch-lösungsorientiertes Coaching nach dem „Wiener T-A-Z-A-Modell“ – ein Abriss


Systemisch-lösungsorientiertes Coaching mit spezieller Gesprächsstrukturierung
Coaching nach dem „Wiener T-A-Z-A-Modell“ (vgl. auch diese pdf-Datei) ist eine von mir im Laufe der letzten Jahre entwickelte spezielle Ausprägung systemisch-lösungsorientierter Prozessberatung von Einzelnen, Gruppen und Teams anlässlich beruflicher Aufgabenstellungen. Es zeichnet sich vor allem durch seine besondere Struktur aus, die sich – wenn eine Kundschaft dieses Strukturierungsangebot für hilfreich erachtet und die entsprechenden Fragen „annimmt“ – in jeder Coachingeinheit (nach dem „Joining“ sowie der Klärung der Themen „Coachingerfahrung der Kundschaft“, „Skizzierung der eigenen Auffassung von Coaching“, „Verschwiegenheit des Coaches\der Coach“, „Dauer der Coachingeinheit“, „Mitschreiben seitens des\der Coach\es“, usw.) wie folgt abbildet (Phasenfragen): Weiterlesen

Implementierung von Coaching im Unternehmen – ein paar Hinweise


Der „Reibach“ von Coaching
Das Vorhaben, Führungskräfte bei der Reflexion ihrer Konstruktionen „weicher“ Wirklichkeiten mithilfe des Settings „Coaching“ zu unterstützen, führt zunehmend zur Implementierung von Pools externer und teilweise (auch) interner Coaches in Unternehmen. Der „Reibach“ von Coaching liegt dabei idealerweise an einer größeren Flexibilität des Kunden\der Kundin, einem vergrößerten Spektrum an Entscheidungsoptionen der Kundschaft, dem angemessenen Steigern bzw. dem passenden Reduzieren von Komplexität, usw. – wobei die Bedeutung der Neutralität des Coaches\der Coach für hilfreiches und somit gelungenes Coaching nicht überschätzt werden kann. Weiterlesen

Coaching: „Auszeichnung“ für die Kundschaft oder „letzte Chance“?


Kurz vor Sommerbeginn erhielt ich einen Anruf von einem Abteilungsleiter eines mittelständischen Industriebetriebs zwecks Vereinbarung eines Termins für eine erste Coachingeinheit. Ich war positiv überrascht, dass mein Gesprächspartner, obwohl er gleich einleitend anmerkte, noch nie ein Coaching in Anspruch genommen zu haben, über eine Vielzahl von relevanten Informationen (Definition, Qualitätskriterien, häufige Themenstellungen, usw.) verfügte. Auf meine Fragen in Richtung Auftragsklärung (etwa „Wer kommt auf die Idee, dass ein Coaching hilfreich sein könnte?“, „Wer wird den Erfolg der Coachingmaßnahme wie und woran messen?”, etc.) erklärte mir mein potenzieller Kunde, dass er gerne – ohne jemandem Bericht erstatten zu müssen – aus eigenem Antrieb ein Coaching machen wolle und verwies mich auf die im Unternehmen für Coaching zuständige Personalentwicklerin, die ich doch bitte kontaktieren möge, weil diese über sämtliche Details des „Coachingprogramms für die erste und zweite Führungsebene“ Auskunft geben könne. Weiterlesen

Kaum Unterschiede? Dann ´rauf mit der Komplexität!


Werden in sozialen Systemen kaum Unterschiede gemacht so sei der\dem BeraterIn im Sinne der Beratungsleitlinie „Reiz des Gegenteils“ eine Erhöhung der Komplexität mittels Fragestellungen, die in Richtung Unterschiedsbildung, Verflüssigung von Eigenschaften sowie Hinterfragen lähmender Gewissheiten gehen, empfohlen. Erkennen lassen sich solche Systeme (hier am Beispiel eines Unternehmens) etwa an generalisierenden Aussagen wie etwa „alle Marketingleute sind exaltiert“, „nie lässt einen die erste Führungsebene zu Wort kommen“, „mein Chef war schon immer rücksichtslos“, usw. Weiterlesen

Vom „Prinzip konstruktiver Verblödung“ nach Sven Nachmann


Wenn KundInnen im Coaching von sozialen Systemen berichten, die eine hohe Komplexität aufweisen, weil sich etwa schon diverse BeraterInnen intervenierend eingemengt, sich mehrere Probleme eingestellt, sich unterschiedliche Restriktionen gezeigt haben, etc. – dann besteht die Gefahr des Verlierens der Handlungsfähigkeit.

Das Berücksichtigen der Beratungsleitlinie „Reiz des Gegenteils“ bedeutet diesfalls das Befolgen der Regel, dass bei Systemen mit hoher Komplexität hilfreicherweise komplexitätsreduzierende Maßnahmen ergriffen werden sollten. Es geht dann nicht etwa um das Sammeln zusätzlicher Informationen, sondern vielmehr um das bewusste Ignorieren von solchen. Eine diesbezügliche Komplexitätsreduzierung macht das Auffinden von Anregungen für konstruktive Lösungen in der Praxis wesentlich wahrscheinlicher. Weiterlesen

Zirkuläre Fragen im Coaching


Zirkuläre Fragestellungen erweisen sich häufig als hochwirksame (und etwa bei der Arbeit mit Systembrett als unentbehrliche) systemische Interventionen – sowohl im Einzel- als auch im Teamcoaching. Zirkuläres Fragen möchte ich an dieser Stelle definieren als „spezifisches Frageverhalten, welches nie direkt ist, sondern eine Außenperspektive erfragt, die dazu geeignet sein kann, neue Sichtweisen in einen Beziehungskontext einzuführen“. Zirkuläre Fragen können unter anderem dazu dienlich sein, Informationen über den Kommunikationskontext zu sammeln, Ideen für alternative Deutungsmuster und Verhaltensoptionen zu ermöglichen, Perspektivenwechsel anzuregen, herkömmliches Denken in Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen infrage zu stellen, usw. Weiterlesen

Zweitbeste Anliegen oder: Erarbeitung der zu einem Thema zweitbesten Vorstellung\en in Zukunft im Coaching


Als essenzielle Basis für meine folgenden Ausführungen sind die Überlegungen von Gunther Schmidt zu „Sehnsuchtszielen“ zu nennen – von ihm durfte ich bereits sehr viel lernen…


Anliegen, deren Erreichen völlig oder weitgehend außerhalb des Einflussbereichs der Kundschaft liegen

Systemisch-lösungsorientiertes Coaching nach dem „Wiener T-A-Z-A-Modell“ folgt der Struktur, dass die Kundin\der Kunde auf Nachfragen seitens des\der Coach ihre\seine Themen benennt und in der Folge eines davon (jedenfalls ein Thema im beruflichen Kontext) zur Bearbeitung auswählt. Sodann wird durch den\die Coach die bestmögliche Vorstellung zu diesem Thema in Zukunft – Anliegen genannt – erfragt. Wesentlich ist in diesem Zusammenhang das Hinterfragen, wieweit sich das Erreichen dieses Anliegens im eigenen Einflussbereich der Kundin\des Kunden befindet. In der Folge werden von Kundschaft und Coach ein Ziel im Sinne der SMART-Kriterien für das Gespräch entwickelt und dem\der Coach ein operabler Auftrag\operable Aufträge erteilt. So weit so gut… Weiterlesen